Ohrwürmer als Film

Kennt Ihr das auch? Sagt ja, damit ich nicht so alleine „leide“…

Es gibt Filme, die lassen mich nicht los – seit Jahrzehnten und erscheinen immer wieder als Ohrwurm im Kopfkino:

Wenn ich dusche kommt mir (manchmal) eine Szene in den Kopf von einem Film den ich als paarund20igjährige mal zufällig des Nachts gesehen habe: Jede Menge gefangene, jüdische Frauen und Kinder denen gesagt wird, dass sie jetzt endlich mal wieder duschen können und sie kommen in einen Raum mit Duschköpfen überall und schauen freudig nach oben, wartend auf das wärmende und säubernde Nass. Naja, was kommt… furchtbar und der Film hat nichts beschönigt oder weg gelassen. Das ganze Elend, das Sterben, Schreien, das Kinder festhalten, das Kotzen…

Und wenn ich auf dem Zahnarztstuhl sitze… kommt mir die Folterszene von der Marathon-Man in den Kopf. Manchmal… ich habe eine tolle Zahnärztin und dort noch nie Schmerzen haben müssen… trotzdem…

Gut, dass ich momentan keinen TV habe/empfange und ernsthaft überlege es dabei sein zu lassen. Hab Schweißausbrüche genug…

 

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Liften oder Freitod

Leute, oder besser gesagt, Frauen, ich kann das verstehen, wenn Frauen sich ab 40 bis… keine Ahnung… 60 für´s Liften oder für den Freitod entscheiden. Verstehen. Einfach nur verstehen. Kann ich. Ich heiße es nicht gut, dass überhaupt die Möglichkeit des Liften in unsere Gesellschaft gekommen ist. Aber wenn ich so in den Spiegel schaue, ab und zu mach ich das, dann kriege ich das planke Entsetzen ob all der Falten und Doppelkinn-Ansätze und Älter-werden-Zeichen und immer der eigenen Mutter ähnlicher werden und dieses Unsichtbar werden und keine Bedeutung mehr haben.

Zwei Seelen kämpfen dann in mir. Ich kann gut reflektieren, deswegen bin ich immer zwei: Da sagt die eine in mir: „Du wirst alt. Und älter. Schön! Ist doch super, dass Du überhaupt all den Scheiß hier überlebt hast. Andere gute Freunde und Freundinnen sind schon so viel früher dahin gerafft worden. Du wirst alt und vielleicht auch weise!“ (Haha.. sagt die andere). „Und überhaupt was sind das nur für scheiß gesellschaftliche Regeln, dass wir ständig jung bleiben müssen, faltenfrei und ohne Ende beweglich?!“ Und einen Hass schiebt diese eine in mir dann auf diese arme, alte Frau Klum. Die sich selber für ewig jung machen will, indem sie junge Frauen kaputt macht und einfach ein scheiß Vorbild ist.

Die andere meint, „Du siehst scheiße aus… dieser Ansatz vom Doppelkinn… hässlich. Alles hat einen Hang nach unten und diese Gewichts-Zunahme und überhaupt machst Du gar keinen Sport mehr.“ (Wofür, fragt die andere? Du kannst es doch sowieso nicht aufhalten, und Gassiwanderungen machst Du genug, sei doch zufrieden, ey.“). „Ja! Ja, bin ich ja. Eigentlich. Aber wo bin ich zu finden im Alltag? In der Werbung? Im TV?…“ http://meedia.de/2017/07/13/studie-von-maria-furtwaenglers-stiftung-frauen-im-fernsehen-deutlich-unterrepraesentiert/

„Ja, mein Gott!, sagt die andere! Bist Du TV? Bist Du Konsum-Überflüssig-Werbung? Ist das wichtig?! Und Alltag bist Du schon gar nicht! Und wieso musst Du gefunden werden? Du bist einzigartig. Du wirst geliebt. Du hast Freunde. Wunderbare Freundinnen. Du bist doch schon längst gefunden! Jetzt mach aber mal langsam und sei mal zufrieden, Du verwöhnte, ich-bezogene, gesellschaftlich-genormte, europäische „Ich-hab-keinen-platz-weilichaltbin-in-der-gesellschaft-also-wer-bin-ich-Frau“. Mein Gott, hast Du keine anderen Probleme?!“

„Doch, sage ich dann kleinlaut. Doch. Doch. Genug.  Und zerschmettere den Spiegel und den Fernseh dazu und lebe fortan glücklich, frei und ganz Frau.

 

Einkauf

das ist totale scheiße! wenn ich von der arbeit komme und dann noch einkaufen muss, oder schon habe auf dem heimweg und kaputt von der maloche noch den einkauf schleppen muss oder zweimal laufen muss, weil ich ja nicht alles tragen kann, pro FUSSweg zum supermarkt mindestens 10 minuten ein weg und füße tun weh und ich werd alt und hab keine energie mehr…

DANN KOTZEN MICH VOR ALLEN DIESE SUPER-MUTTIS MIT IHREN SCHEISS SUPER KARREN UND MIT IHREM SCHEISS BEKLOPPTEN SUPER AUFGERÄUMTEN KOFFERRAUM UND DER EINKAUF PERFEKT IN DIE DAFÜR VORGESEHENEN KISTEN UND IMMER SCHÖN BIO KAUFEN BIO BIO ICH BIN NE TOLLE SUPERFRAU MIT SUPERKACKEAUFGERÄUMTEN SCHEISSAUTO UND SCHEISS PERFEKTEM LEBEN!!! *BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH*
an.

sorry, wenn ihr eine von den „superfrauen“ seid, ich mein das nicht so genau so wie ich es schreibe, aber ich bin halt auch „reflektierend“ und weiß, dass es neid ist und fehlendes selbstbewusstsein mein eigenes chaotisches leben zu lieben, so wie es ist und ungerechtigkeit einfach zu akzeptieren. NEIN! DAS KANN ICH NICHT! manchmal, manchmal kann ich das und dann lächel ich milde über die supermuttikofferräume.  hätte ich einen kofferraum… dann wär das alles anders.

veröffentlicht ein foto von eurem kofferraum und ich zeige euch… meine füße. :DD

DINK

Erinnert Ihr Euch noch an diesen Spruch? Double Income – no kids. DINK. Bei mir müsste es heißen: „Double job – less money“ oder so ähnlich…

Eigentlich will ich ja Werbung für hier machen: https://wirwarenallemalbeiblogde.wordpress.com/ – Tolle Sache. Mit Fortsetzungs-Geschichten haben wir viel – sehr sehr viel – Spaß gehabt damals bei Blog.de, Mr. Totte, Miss Lila, der Keks und die Krone…. und wer noch alles dabei war… ich kann aber nicht mit machen hier eben wegen Double job – fucking less money and time… und so.

Ich möchte nur eines los werden, was mir sehr wichtig ist: Ich liebe meine zwei Jobs. Sie machen mir viel Spaß, ich lerne und erfahre viel neues täglich, ich habe mit Menschen zu tun und mit meiner Lieblings-Beschäftigung dem Tippen und in die Tasten hauen. Nur ist es sehr schwierig beide in der Arbeitszeit totally flexible Jobs zusammen zu kriegen – alleine für diese Organisation und Überblick behalten hätte ich einen Orden verdient. Oder wenigstens ne Sekretärin. Oder en Sekretär, auch recht.

Und wenn ich mal Freizeit habe dann drehe ich lange Gassi-Runden oder mache einen Rotwein-Abend oder verfluchte Haushalts-Dinge oder eben nix. ODER lese hier alles nach und kommentiere wenig.

CU soon ♥ 🙂

 

Sehr geehrte Samen und Spermien,

 

seit ich denken kann ist unsere Familie bei der Dingsbank. Das heißt, seit über 50 Jahren. Das Familien-Konto bei der Dingsbank in meiner Heimat. Das nächste eigene Konto für meinen ersten Lohn bei der Dingsbank in Dingsbumsstadt. Und immer bei der Dingsbank geblieben.

2011 ging ich zur Dingsbank hier, Irgendwoplatz, um mein Konto um € 100,-  überziehen zu dürfen. Dass man fragen muss, dass man dürfen muss – wo man doch immer alles Geld zur Bank schleppt und hin überweisen lässt, mit dem dann die Bank wieder arbeitet… alleine das ist ein seltsamer Gedanke. Damals war ich in einer Lebens-Situation die wirklich sehr schwer war: Mein Mann und ich hatten beide unseren Job gekündigt und wollten uns in unserem jeweils eigenen Beruf selbständig machen. Dann starb mein Mann. Wie das so ist im Leben: Nicht eingeplant, völlig aus dem Nichts heraus alles auf Null. Nichts war mehr möglich…in einer neuen, inzwischen für mich viel zu großen und teuren Wohnung, umringt von nicht ausgepackten Umzugs-Kisten, ohne Telefon- und Internet-Anschluss. Kein Gedanke  mehr möglich an Selbständigkeit, Arbeiten, Denken, Fühlen, Überlegen, Handeln… ich saß alleine in einer neuen, noch fremden Wohnung, in einer fremden Stadt, ohne meinen Lebens-Partner, ohne Liebe, ohne Hoffnung, ohne ein Zuhause-Gefühl, ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Zukunft, ohne Perspektive.

Ich schleppte mich zu „meiner“ Bank, um € 100,- überziehen zu dürfen, um was zu Essen zu kaufen, das Nötigste. Nein. Insolvenz stand bevor. Keine Einnahmen – keine Chance.

Seitdem bin ich am Kämpfen. Gegen Behörden, Gläubiger, Insolvenz, Insolvenz-Verwalter, Hunger, Geldnot, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Aufgeben. Ich habe von Null wieder neu angefangen. Ich habe wieder eine feste Arbeit. Ich habe wieder eine Wohnung. Ich habe, ohne in Insolvenz zu gehen, meine Gläubiger „befriedigt“, ich habe wieder Boden unter den Füßen, ich habe vor kurzem eine Stunden-Erhöhung in meinem Job bekommen und somit auch mehr Gehalt. Ich habe alles getan, um in dieser Gesellschaft wieder aufrecht gehen zu können, dazu zu gehören, nicht unterzugehen, keine Arbeitslosenhilfe und auch keine Sozialhilfe zu beziehen. Und war oft kurz davor alles hinzuschmeißen. 5 Jahre lang. Und es geht weiter.

2016: Ich gehe zur Dingsbank, Irgendwoplatz, frage um eine Möglichkeit mein Konto um € 100,- überziehen zu dürfen. Das berühmte Sommerloch hat auch mich getroffen was meine Freiberuflichkeit betrifft – allen Verdienst der letzten Jahre habe ich für meine Gläubiger verdient. Den letzten großen Gläubiger habe ich weg, jetzt brauche ich einfach nur € 100 Euro, um zu überbrücken. Nein. Wie vor 5 Jahren.

Die Welt hat sich verändert. Ich habe so viel getan. Ich habe mich verändert. Meine Situation hat sich verändert. Die Finanzregeln unserer Gesellschaft bleiben gleich: Ich habe noch einen Gläubiger (monatlich € 15,- bis in alle Ewigkeit) und ich stehe halt nun mal bei der Schufa auf der Liste. Da gibt es keine Möglichkeit für die Dingsbank. Da sperrt sich das Computer-System automatisch. Ist das so? Oder hätten Sie die Möglichkeit zu sagen: Das ist eine Kundin die schon immer bei der Dingsbank war, sie arbeitet, verdient wieder Geld, bemüht sich, hat eine Lohn-Erhöhung erhalten, hat eine feste Arbeit, geht noch nebenher freiberuflich arbeiten, was auch immer wieder Geld aufs Konto bringt – da durchbrechen wir mal alle Regeln, da versuchen wir mal was Neues… Nein?

Dann will ich kein Konto mehr bei der Dingsbank haben und auch bei keiner anderen Bank – wird überall gleich sein.

Dann will ich mein Gehalt wieder in einer echten Lohntüte abholen können.

Dann will ich nicht mehr zu unserer Gesellschaft gehören.

Dann will ich die Schufa abschaffen.

Naiv? Vielleicht, aber mal ehrlich: Wie soll man es schaffen in einer Gesellschaft wie der unsrigen wieder Fuß zu fassen, wenn man kämpft und kämpft, um wieder ein „vollwertiges Mitglied“ zu sein, nur um dann doch immer wieder gezeigt zu bekommen: Du nicht. Pech gehabt. Oder ist so eine einzelne, „kleine“, gering verdienende Person nicht wichtig fürs Banken-System? Wahrscheinlich…

Sind Ihnen wirklich die Hände gebunden gegenüber der Schufa? Oder können Sie unabhängige Entscheidungen treffen? Kann doch nicht sein, dass die Schufa „über allem steht“. Was muss mensch denn noch tun, um dazu zu gehören, nicht unterzugehen, weiter zu kommen?!

Herzlichen Dank für das Lesen meines Briefes. Wenn ich soweit bin, dass ich nicht mehr bei der Schufa verzeichnet bin, nicht mehr „schuldig“ bin – dann brauch ich keine Überziehungs-Möglichkeit mehr. Ich hätte es jetzt gebraucht.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau von und zu Taste

Anm. der Verfasserin: Einige Worte wurden verulknudelt, um … ja, warum eigentlich?
Nach Einstellen dieses Eintrages wird der Brief an die Dingsdabank in den Briefkasten geworfen.