DINK

Erinnert Ihr Euch noch an diesen Spruch? Double Income – no kids. DINK. Bei mir müsste es heißen: „Double job – less money“ oder so ähnlich…

Eigentlich will ich ja Werbung für hier machen: https://wirwarenallemalbeiblogde.wordpress.com/ – Tolle Sache. Mit Fortsetzungs-Geschichten haben wir viel – sehr sehr viel – Spaß gehabt damals bei Blog.de, Mr. Totte, Miss Lila, der Keks und die Krone…. und wer noch alles dabei war… ich kann aber nicht mit machen hier eben wegen Double job – fucking less money and time… und so.

Ich möchte nur eines los werden, was mir sehr wichtig ist: Ich liebe meine zwei Jobs. Sie machen mir viel Spaß, ich lerne und erfahre viel neues täglich, ich habe mit Menschen zu tun und mit meiner Lieblings-Beschäftigung dem Tippen und in die Tasten hauen. Nur ist es sehr schwierig beide in der Arbeitszeit totally flexible Jobs zusammen zu kriegen – alleine für diese Organisation und Überblick behalten hätte ich einen Orden verdient. Oder wenigstens ne Sekretärin. Oder en Sekretär, auch recht.

Und wenn ich mal Freizeit habe dann drehe ich lange Gassi-Runden oder mache einen Rotwein-Abend oder verfluchte Haushalts-Dinge oder eben nix. ODER lese hier alles nach und kommentiere wenig.

CU soon ♥ 🙂

 

Sehr geehrte Samen und Spermien,

 

seit ich denken kann ist unsere Familie bei der Dingsbank. Das heißt, seit über 50 Jahren. Das Familien-Konto bei der Dingsbank in meiner Heimat. Das nächste eigene Konto für meinen ersten Lohn bei der Dingsbank in Dingsbumsstadt. Und immer bei der Dingsbank geblieben.

2011 ging ich zur Dingsbank hier, Irgendwoplatz, um mein Konto um € 100,-  überziehen zu dürfen. Dass man fragen muss, dass man dürfen muss – wo man doch immer alles Geld zur Bank schleppt und hin überweisen lässt, mit dem dann die Bank wieder arbeitet… alleine das ist ein seltsamer Gedanke. Damals war ich in einer Lebens-Situation die wirklich sehr schwer war: Mein Mann und ich hatten beide unseren Job gekündigt und wollten uns in unserem jeweils eigenen Beruf selbständig machen. Dann starb mein Mann. Wie das so ist im Leben: Nicht eingeplant, völlig aus dem Nichts heraus alles auf Null. Nichts war mehr möglich…in einer neuen, inzwischen für mich viel zu großen und teuren Wohnung, umringt von nicht ausgepackten Umzugs-Kisten, ohne Telefon- und Internet-Anschluss. Kein Gedanke  mehr möglich an Selbständigkeit, Arbeiten, Denken, Fühlen, Überlegen, Handeln… ich saß alleine in einer neuen, noch fremden Wohnung, in einer fremden Stadt, ohne meinen Lebens-Partner, ohne Liebe, ohne Hoffnung, ohne ein Zuhause-Gefühl, ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Zukunft, ohne Perspektive.

Ich schleppte mich zu „meiner“ Bank, um € 100,- überziehen zu dürfen, um was zu Essen zu kaufen, das Nötigste. Nein. Insolvenz stand bevor. Keine Einnahmen – keine Chance.

Seitdem bin ich am Kämpfen. Gegen Behörden, Gläubiger, Insolvenz, Insolvenz-Verwalter, Hunger, Geldnot, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Aufgeben. Ich habe von Null wieder neu angefangen. Ich habe wieder eine feste Arbeit. Ich habe wieder eine Wohnung. Ich habe, ohne in Insolvenz zu gehen, meine Gläubiger „befriedigt“, ich habe wieder Boden unter den Füßen, ich habe vor kurzem eine Stunden-Erhöhung in meinem Job bekommen und somit auch mehr Gehalt. Ich habe alles getan, um in dieser Gesellschaft wieder aufrecht gehen zu können, dazu zu gehören, nicht unterzugehen, keine Arbeitslosenhilfe und auch keine Sozialhilfe zu beziehen. Und war oft kurz davor alles hinzuschmeißen. 5 Jahre lang. Und es geht weiter.

2016: Ich gehe zur Dingsbank, Irgendwoplatz, frage um eine Möglichkeit mein Konto um € 100,- überziehen zu dürfen. Das berühmte Sommerloch hat auch mich getroffen was meine Freiberuflichkeit betrifft – allen Verdienst der letzten Jahre habe ich für meine Gläubiger verdient. Den letzten großen Gläubiger habe ich weg, jetzt brauche ich einfach nur € 100 Euro, um zu überbrücken. Nein. Wie vor 5 Jahren.

Die Welt hat sich verändert. Ich habe so viel getan. Ich habe mich verändert. Meine Situation hat sich verändert. Die Finanzregeln unserer Gesellschaft bleiben gleich: Ich habe noch einen Gläubiger (monatlich € 15,- bis in alle Ewigkeit) und ich stehe halt nun mal bei der Schufa auf der Liste. Da gibt es keine Möglichkeit für die Dingsbank. Da sperrt sich das Computer-System automatisch. Ist das so? Oder hätten Sie die Möglichkeit zu sagen: Das ist eine Kundin die schon immer bei der Dingsbank war, sie arbeitet, verdient wieder Geld, bemüht sich, hat eine Lohn-Erhöhung erhalten, hat eine feste Arbeit, geht noch nebenher freiberuflich arbeiten, was auch immer wieder Geld aufs Konto bringt – da durchbrechen wir mal alle Regeln, da versuchen wir mal was Neues… Nein?

Dann will ich kein Konto mehr bei der Dingsbank haben und auch bei keiner anderen Bank – wird überall gleich sein.

Dann will ich mein Gehalt wieder in einer echten Lohntüte abholen können.

Dann will ich nicht mehr zu unserer Gesellschaft gehören.

Dann will ich die Schufa abschaffen.

Naiv? Vielleicht, aber mal ehrlich: Wie soll man es schaffen in einer Gesellschaft wie der unsrigen wieder Fuß zu fassen, wenn man kämpft und kämpft, um wieder ein „vollwertiges Mitglied“ zu sein, nur um dann doch immer wieder gezeigt zu bekommen: Du nicht. Pech gehabt. Oder ist so eine einzelne, „kleine“, gering verdienende Person nicht wichtig fürs Banken-System? Wahrscheinlich…

Sind Ihnen wirklich die Hände gebunden gegenüber der Schufa? Oder können Sie unabhängige Entscheidungen treffen? Kann doch nicht sein, dass die Schufa „über allem steht“. Was muss mensch denn noch tun, um dazu zu gehören, nicht unterzugehen, weiter zu kommen?!

Herzlichen Dank für das Lesen meines Briefes. Wenn ich soweit bin, dass ich nicht mehr bei der Schufa verzeichnet bin, nicht mehr „schuldig“ bin – dann brauch ich keine Überziehungs-Möglichkeit mehr. Ich hätte es jetzt gebraucht.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau von und zu Taste

Anm. der Verfasserin: Einige Worte wurden verulknudelt, um … ja, warum eigentlich?
Nach Einstellen dieses Eintrages wird der Brief an die Dingsdabank in den Briefkasten geworfen.

Rundumschlag

!!! WAS MICH NERVT IST DIESE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT !!!

  • „Nur einmal dieses Jahr in den Urlaub fahren können – sonst waren wir immer zweimal.“
    Ach… das ist aber traurig.
  • „Ich kriege meinen Garten dieses Jahr einfach nicht in die Reihe… sonst war ich um diese Zeit schon lange damit fertig.“
    Oh… das ist schlimm – was für ein Stress. Garten haben. Furchtbar.
  • Boah, nervt das, ich kann nix mehr lesen ohne Brille und ständig lass ich sie irgendwo liegen.
    „Kauf Dir doch ne Gleitsichtbrille. Ich habe mir letztes Jahr ne Sonnenbrille mit meiner Sehstärke machen lassen“.                                                                                                                       Ach… wirklich?!

ICH WERD GLEICH BLIND VOR SELBSTVERSTÄNDLICHER SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT!.

Und von Autofahrern immer erzählt zu bekommen, wie man da und da hinkommt. Ist doch ganz easy. Schnell. Da und da parken und schon ist man da. Ei super. Eine Busfahrt kostet fast 3 Euro – ICH HABE KEIN AUTO – hin und zurück schon fast 6. Ich bin mindestens ne  dreiviertel Stunde unterwegs und muss an Bushaltestellen warten… warten…. nass werden… warten… frieren… warten… und für eine Wochenkarte reicht es diesen Monat leider auch nicht. Schon gewusst? ICH KANN MIR KEIN AUTO LEISTEN – NIMMERMEHR!

BIN ICH UNGERECHT? EGOIST? WIE WÜRDE ICH JAMMERN WENN ICH GARTEN, GELD UND AUTO HÄTTE? 

Ach… scheiß drauf… bald is Weihnachten, da kann ich darf ich mach ich was will ich denn babbeln wie mir der Schnabel gewachsen ist… oder nicht? Wann war das denn nochmal?

Auf alle Fälle: Schöne FRIEDLICHE Weihnachten… wie kann Weihnachten friedlich sein, wenn es kracht überall auf der Welt?

*stöhn* Manchmal hass ich mich selbst. Wünsch Euch trotzdem was.

 

Eine Erkenntnis…

… von mehreren hier in der 7-wöchigen „Ich-erhol-mich-von-den-letzten-5-Jahren-Kackscheisslebensstress-Geldnot-Fastwohnungslosigkeit-dafür-Arbeitslosigkeit-Insolvenzunddochnicht-Trauershit-Wechseljahren-Mistdreck“:

Egal was Ihr für Nebenwirkungen und überhaupt Wirkungen der Wechseljahre habt – Egal was Euch empfohlen wird – egal was Ihr versucht – weniger Stress, Kaffee, Kippen, Leben, Arbeit – mehr Sport,Entspannung, Durchatmen, Therapie… und wasweißich noch alles…

DAS EINZIGE WAS WIRKLICH HILFT, UM DURCHZUHALTEN IST… haltet Euch fest:

AUSHALTEN – DURCHALTEN – AUSHALTEN – DURCHHALTEN – AUSHALTEN…

Wie gesagt: meine Erkenntnis. MEINE Wahrheit. Mein Erleben. Die Hormon-Tabletten sind griffbereit – ich aber (noch?) nicht.

Beste Grüße aus der Anstalt

 

Die neuen Alten…

… wenn mei Mutter net daheim is, weil …. weil… unnerwegs halt… zum Beispiel im Krankenhaus… dann ist mein Vater gezwungenermaßen Selbst-Versorger, mit 87 und aus einer Generation, wo die Männer den ganzen Tag schaffe gehe un die Frauen Haushalt schmeißen. OHNE Diskussion oder Nachdenken. Is so – war so – bleibt so.

Jetzt kann mein Vatter nix kochen – gar nix – holt sich e Süppche im Dösche oder geht zum Metzger für ein Fertig-Gericht.

Er weiß noch nicht mal wie man(n) Kartoffeln kocht. Ehrlich. Sowas gibts noch. Also was macht er, wenn er zum Warm-Mach-Fertig-Fleisch-Gericht vom Metzger Kartoffeln essen will?

Er googlet „Kartoffeln kochen“. Net kochen können, aber googlen.

Ich find das lustich.

Happy End

Mir gegenüber residiert ein Metzger. Soll gut sein – schlachtet noch selbst und so… ja ja. Toll, wenn sie wieder mal selber schlachten – so einmal im Monat. Dann schließe ich alle Fenster, Staubsauger an, ob gesaugt werden muss oder nicht und die Musik-Anlage auf Hochtour. Wären die Fenster geöffnet, der Staubsauger und die Musik-Anlage auch, dann würde ich das arme Schwein, das geopfert wird, erbärmlich und hektisch, laut und verzweifelt quieken hören. Ich würde es poltern hören, weil es verzweifelt und voller Angst versucht zu entkommen im Auto-Anhänger mit dem es dorthin transportiert wurde. Ich würde spüren können wie es sich wehrt. Ich würde seine Angst selber spüren. Ich würde die Männer hören, sich gegenseitig laut zurufen, was zu tun ist, wo anzupacken, wie hinzuschmeißen, wie zu reagieren, um das Schwein zu überwältigen. Und dann plötzlich diese Toten-Stille. Die paradoxerweise auch irgendwie eine Erleichterung verursacht.

All das hör ich nicht und höre es doch. Ich hatte Besuch an so einem Schlacht-Samstag – der Besuch hatte gerade selbst mit gebrachte Blutwurst mit Senf auf seinem Brot und bei der oben beschriebenen Geräusch-Kulisse blieb ihm förmlich der Bissen im Halse stecken. Ich ließ das Fenster offen. Für drei Minuten – länger war es nicht auszuhalten.

In meiner Phantasie laufe ich rüber, metzel die Schlächter ab – harakirimäßig mit Dolch und Säbel, breiten Luftsprüngen – die armen Herren sind ganz überrascht und überfordert. Und alsbald geschlachtet. Dann geh ich mit dem Schwein rüber in meine Wohnung und wir leben glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende. 

sau