Happy End

Mir gegenüber residiert ein Metzger. Soll gut sein – schlachtet noch selbst und so… ja ja. Toll, wenn sie wieder mal selber schlachten – so einmal im Monat. Dann schließe ich alle Fenster, Staubsauger an, ob gesaugt werden muss oder nicht und die Musik-Anlage auf Hochtour. Wären die Fenster geöffnet, der Staubsauger und die Musik-Anlage auch, dann würde ich das arme Schwein, das geopfert wird, erbärmlich und hektisch, laut und verzweifelt quieken hören. Ich würde es poltern hören, weil es verzweifelt und voller Angst versucht zu entkommen im Auto-Anhänger mit dem es dorthin transportiert wurde. Ich würde spüren können wie es sich wehrt. Ich würde seine Angst selber spüren. Ich würde die Männer hören, sich gegenseitig laut zurufen, was zu tun ist, wo anzupacken, wie hinzuschmeißen, wie zu reagieren, um das Schwein zu überwältigen. Und dann plötzlich diese Toten-Stille. Die paradoxerweise auch irgendwie eine Erleichterung verursacht.

All das hör ich nicht und höre es doch. Ich hatte Besuch an so einem Schlacht-Samstag – der Besuch hatte gerade selbst mit gebrachte Blutwurst mit Senf auf seinem Brot und bei der oben beschriebenen Geräusch-Kulisse blieb ihm förmlich der Bissen im Halse stecken. Ich ließ das Fenster offen. Für drei Minuten – länger war es nicht auszuhalten.

In meiner Phantasie laufe ich rüber, metzel die Schlächter ab – harakirimäßig mit Dolch und Säbel, breiten Luftsprüngen – die armen Herren sind ganz überrascht und überfordert. Und alsbald geschlachtet. Dann geh ich mit dem Schwein rüber in meine Wohnung und wir leben glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende. 

sau