Hallo Schweiss

„Hallo Schweiss,

Du hattest hoffentlich eine tolle Woche! Wir möchten dich daran erinnern, dass das zeitlich begrenzte Angebot für 20% Rabatt auf ein beliebiges WordPress.​com-Tarif-Upgrade um Mitternacht abläuft. Das ist schon in wenigen Stunden!“

Na super! Schweiss… WAS für ein toller Nickname… :)))))

Zum aus der Haut fahren…

… und das nicht nur wortwörtlich, sondern LEBENSECHT. Vom Gefühl her. Is so. Wenn mich der „Wechseljahre-Scheissendreck-Nichtgebrauchenkönnen-Schweißausbruch“ erklimmt – so zwischen fünf- und siebenmal am Tag – dann ist das ein Gefühl, welches nicht auszuhalten ist.

Ich möchte mir die Klamotten vom Leib reißen.

Ich möchte aus der Haut fahren.

Ich möchte nicht mehr in meinem Körper stecken.

Nur noch (r)aus und vorbei. 

Dieses Gefühl, es im eigenen Körper nicht mehr auszuhalten – dieses leise Ankündigen in Form von leichter Aufgeregtheit, Kribbeln im Bauch und dann von unten nach oben im ganzen Körper, dann die Hitze, von unten nach oben und das konzentrierte Festhalten dieser am Kopf – roter Ballon (was fand ich das als Kind / Jugendliche immer so furchtbar: diese alten Frauen mit ihrem roten erhitztem Kopf und dem Taschentuch in der Hand)… tja… un dann – wenn ich das von mir abgelegt habe was ich ablegen kann wenn ich nicht zu Hause bin, dann bleiben diese ganzen unangenehmen Feelings einen Moment bei mir zu Gast (UNGEBETEN!) und verschwinden dann wieder nach und nach. Bis zum nächsten mal.

Und was soll ich sagen, ich höre viele Geschichten von anderen Frauen in und um mein Alter herum die wohl die gleichen Probleme oder noch stärker haben. Die eine hat eines Tages ihre Koffer gepackt und sich selbst in die Psychiatrie einweisen lassen – sie hat das alles nicht mehr ausgehalten. Andere haben sich das Leben genommen – nicht mehr geschafft all diese Wechseljahre-Scheiße – vermute ich – wohl auch gepaart mit dem Schrecken des Alters. Widerum andere halten aus, probieren Homöopathie, Hormontabletten, stellen ihr ganzes Leben, die Ernährung um, lassen sich nichts anmerken… letzteres ist das Schlimmste was ihr machen könnt. HÖRT IHR?!

LASST ES EUCH ANMERKEN!

ERZÄHLT ES LAUT UND JEDEM!

SCHREIT EUER UNGEFÜHL HERAUS!

UND SCHREIBT MIR, DASS ES EUCH GENAUS GEHT WIE MIR. Das wär cool…

 

Liften oder Freitod

Leute, oder besser gesagt, Frauen, ich kann das verstehen, wenn Frauen sich ab 40 bis… keine Ahnung… 60 für´s Liften oder für den Freitod entscheiden. Verstehen. Einfach nur verstehen. Kann ich. Ich heiße es nicht gut, dass überhaupt die Möglichkeit des Liften in unsere Gesellschaft gekommen ist. Aber wenn ich so in den Spiegel schaue, ab und zu mach ich das, dann kriege ich das planke Entsetzen ob all der Falten und Doppelkinn-Ansätze und Älter-werden-Zeichen und immer der eigenen Mutter ähnlicher werden und dieses Unsichtbar werden und keine Bedeutung mehr haben.

Zwei Seelen kämpfen dann in mir. Ich kann gut reflektieren, deswegen bin ich immer zwei: Da sagt die eine in mir: „Du wirst alt. Und älter. Schön! Ist doch super, dass Du überhaupt all den Scheiß hier überlebt hast. Andere gute Freunde und Freundinnen sind schon so viel früher dahin gerafft worden. Du wirst alt und vielleicht auch weise!“ (Haha.. sagt die andere). „Und überhaupt was sind das nur für scheiß gesellschaftliche Regeln, dass wir ständig jung bleiben müssen, faltenfrei und ohne Ende beweglich?!“ Und einen Hass schiebt diese eine in mir dann auf diese arme, alte Frau Klum. Die sich selber für ewig jung machen will, indem sie junge Frauen kaputt macht und einfach ein scheiß Vorbild ist.

Die andere meint, „Du siehst scheiße aus… dieser Ansatz vom Doppelkinn… hässlich. Alles hat einen Hang nach unten und diese Gewichts-Zunahme und überhaupt machst Du gar keinen Sport mehr.“ (Wofür, fragt die andere? Du kannst es doch sowieso nicht aufhalten, und Gassiwanderungen machst Du genug, sei doch zufrieden, ey.“). „Ja! Ja, bin ich ja. Eigentlich. Aber wo bin ich zu finden im Alltag? In der Werbung? Im TV?…“ http://meedia.de/2017/07/13/studie-von-maria-furtwaenglers-stiftung-frauen-im-fernsehen-deutlich-unterrepraesentiert/

„Ja, mein Gott!, sagt die andere! Bist Du TV? Bist Du Konsum-Überflüssig-Werbung? Ist das wichtig?! Und Alltag bist Du schon gar nicht! Und wieso musst Du gefunden werden? Du bist einzigartig. Du wirst geliebt. Du hast Freunde. Wunderbare Freundinnen. Du bist doch schon längst gefunden! Jetzt mach aber mal langsam und sei mal zufrieden, Du verwöhnte, ich-bezogene, gesellschaftlich-genormte, europäische „Ich-hab-keinen-platz-weilichaltbin-in-der-gesellschaft-also-wer-bin-ich-Frau“. Mein Gott, hast Du keine anderen Probleme?!“

„Doch, sage ich dann kleinlaut. Doch. Doch. Genug.  Und zerschmettere den Spiegel und den Fernseh dazu und lebe fortan glücklich, frei und ganz Frau.

 

Sehr geehrte Samen und Spermien,

 

seit ich denken kann ist unsere Familie bei der Dingsbank. Das heißt, seit über 50 Jahren. Das Familien-Konto bei der Dingsbank in meiner Heimat. Das nächste eigene Konto für meinen ersten Lohn bei der Dingsbank in Dingsbumsstadt. Und immer bei der Dingsbank geblieben.

2011 ging ich zur Dingsbank hier, Irgendwoplatz, um mein Konto um € 100,-  überziehen zu dürfen. Dass man fragen muss, dass man dürfen muss – wo man doch immer alles Geld zur Bank schleppt und hin überweisen lässt, mit dem dann die Bank wieder arbeitet… alleine das ist ein seltsamer Gedanke. Damals war ich in einer Lebens-Situation die wirklich sehr schwer war: Mein Mann und ich hatten beide unseren Job gekündigt und wollten uns in unserem jeweils eigenen Beruf selbständig machen. Dann starb mein Mann. Wie das so ist im Leben: Nicht eingeplant, völlig aus dem Nichts heraus alles auf Null. Nichts war mehr möglich…in einer neuen, inzwischen für mich viel zu großen und teuren Wohnung, umringt von nicht ausgepackten Umzugs-Kisten, ohne Telefon- und Internet-Anschluss. Kein Gedanke  mehr möglich an Selbständigkeit, Arbeiten, Denken, Fühlen, Überlegen, Handeln… ich saß alleine in einer neuen, noch fremden Wohnung, in einer fremden Stadt, ohne meinen Lebens-Partner, ohne Liebe, ohne Hoffnung, ohne ein Zuhause-Gefühl, ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Zukunft, ohne Perspektive.

Ich schleppte mich zu „meiner“ Bank, um € 100,- überziehen zu dürfen, um was zu Essen zu kaufen, das Nötigste. Nein. Insolvenz stand bevor. Keine Einnahmen – keine Chance.

Seitdem bin ich am Kämpfen. Gegen Behörden, Gläubiger, Insolvenz, Insolvenz-Verwalter, Hunger, Geldnot, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Aufgeben. Ich habe von Null wieder neu angefangen. Ich habe wieder eine feste Arbeit. Ich habe wieder eine Wohnung. Ich habe, ohne in Insolvenz zu gehen, meine Gläubiger „befriedigt“, ich habe wieder Boden unter den Füßen, ich habe vor kurzem eine Stunden-Erhöhung in meinem Job bekommen und somit auch mehr Gehalt. Ich habe alles getan, um in dieser Gesellschaft wieder aufrecht gehen zu können, dazu zu gehören, nicht unterzugehen, keine Arbeitslosenhilfe und auch keine Sozialhilfe zu beziehen. Und war oft kurz davor alles hinzuschmeißen. 5 Jahre lang. Und es geht weiter.

2016: Ich gehe zur Dingsbank, Irgendwoplatz, frage um eine Möglichkeit mein Konto um € 100,- überziehen zu dürfen. Das berühmte Sommerloch hat auch mich getroffen was meine Freiberuflichkeit betrifft – allen Verdienst der letzten Jahre habe ich für meine Gläubiger verdient. Den letzten großen Gläubiger habe ich weg, jetzt brauche ich einfach nur € 100 Euro, um zu überbrücken. Nein. Wie vor 5 Jahren.

Die Welt hat sich verändert. Ich habe so viel getan. Ich habe mich verändert. Meine Situation hat sich verändert. Die Finanzregeln unserer Gesellschaft bleiben gleich: Ich habe noch einen Gläubiger (monatlich € 15,- bis in alle Ewigkeit) und ich stehe halt nun mal bei der Schufa auf der Liste. Da gibt es keine Möglichkeit für die Dingsbank. Da sperrt sich das Computer-System automatisch. Ist das so? Oder hätten Sie die Möglichkeit zu sagen: Das ist eine Kundin die schon immer bei der Dingsbank war, sie arbeitet, verdient wieder Geld, bemüht sich, hat eine Lohn-Erhöhung erhalten, hat eine feste Arbeit, geht noch nebenher freiberuflich arbeiten, was auch immer wieder Geld aufs Konto bringt – da durchbrechen wir mal alle Regeln, da versuchen wir mal was Neues… Nein?

Dann will ich kein Konto mehr bei der Dingsbank haben und auch bei keiner anderen Bank – wird überall gleich sein.

Dann will ich mein Gehalt wieder in einer echten Lohntüte abholen können.

Dann will ich nicht mehr zu unserer Gesellschaft gehören.

Dann will ich die Schufa abschaffen.

Naiv? Vielleicht, aber mal ehrlich: Wie soll man es schaffen in einer Gesellschaft wie der unsrigen wieder Fuß zu fassen, wenn man kämpft und kämpft, um wieder ein „vollwertiges Mitglied“ zu sein, nur um dann doch immer wieder gezeigt zu bekommen: Du nicht. Pech gehabt. Oder ist so eine einzelne, „kleine“, gering verdienende Person nicht wichtig fürs Banken-System? Wahrscheinlich…

Sind Ihnen wirklich die Hände gebunden gegenüber der Schufa? Oder können Sie unabhängige Entscheidungen treffen? Kann doch nicht sein, dass die Schufa „über allem steht“. Was muss mensch denn noch tun, um dazu zu gehören, nicht unterzugehen, weiter zu kommen?!

Herzlichen Dank für das Lesen meines Briefes. Wenn ich soweit bin, dass ich nicht mehr bei der Schufa verzeichnet bin, nicht mehr „schuldig“ bin – dann brauch ich keine Überziehungs-Möglichkeit mehr. Ich hätte es jetzt gebraucht.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau von und zu Taste

Anm. der Verfasserin: Einige Worte wurden verulknudelt, um … ja, warum eigentlich?
Nach Einstellen dieses Eintrages wird der Brief an die Dingsdabank in den Briefkasten geworfen.

Eine Erkenntnis…

… von mehreren hier in der 7-wöchigen „Ich-erhol-mich-von-den-letzten-5-Jahren-Kackscheisslebensstress-Geldnot-Fastwohnungslosigkeit-dafür-Arbeitslosigkeit-Insolvenzunddochnicht-Trauershit-Wechseljahren-Mistdreck“:

Egal was Ihr für Nebenwirkungen und überhaupt Wirkungen der Wechseljahre habt – Egal was Euch empfohlen wird – egal was Ihr versucht – weniger Stress, Kaffee, Kippen, Leben, Arbeit – mehr Sport,Entspannung, Durchatmen, Therapie… und wasweißich noch alles…

DAS EINZIGE WAS WIRKLICH HILFT, UM DURCHZUHALTEN IST… haltet Euch fest:

AUSHALTEN – DURCHALTEN – AUSHALTEN – DURCHHALTEN – AUSHALTEN…

Wie gesagt: meine Erkenntnis. MEINE Wahrheit. Mein Erleben. Die Hormon-Tabletten sind griffbereit – ich aber (noch?) nicht.

Beste Grüße aus der Anstalt

 

Die neuen Alten…

Mei Mutter (76) liegt im Krankenhaus mit leichter Gehirn-Erschütterung weil sie nach einer erfolgreichen Gallen-Entfernung (im selben KKH) und seit ein paar Tagen wieder zu Hause, noch e bisse wackelig auf de Beine war und die letzte Stufe im Treppen-Haus zu Hause verfehlte. Längs hingelegt, Gesicht nach vorne.

Was macht se? Kurz nach der Untersuchung und auf dem Zimmer im KKH?

Schickt mir ne Whatsapp mit einem selbst gemachten Foto von ihrem blauen Schildkröten-Auge und angedetschter Nase mit dem Untertitel: „De Vatter schlägt immer so fest zu.“

Wohl gemerkt, 76 Jahre und gerade die Trepp runner gefalle. Un nein, mein Vatter hat nie geschlagen, mir gehts nur um die neuen Alten. Und deren Humor. UND, dass sie verdammt nochmal zu ihren Falten stehen! TOLL! Da komm ich auch hin.

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Notiz an mich selbst

MIR GEHTS GUT!!!

  • Ich hungere nicht
  • Ich stehe (nicht mehr) vor dem finanziellen und persönlichen Aus
  • Ich habe zwei Jobs die mir Spaß machen und in denen ich fast vollkommen frei bin
  • Ich habe einen Hund
  • Ich habe eine Katze
  • ICH HABE TIERE! EINE WOHNUNG! KANN DIE MIETE BEZAHLEN! ICH BIN REICH!
  • Ich habe eine Terrasse! Mit Tomatenpflanzen und Sofa!

Andere fliehen vor Krieg und Verzweiflung, Tod und Hölle, Gewalt und Mord. Die lassen ihr ganzes Leben zurück nur, um es zu behalten! Was will ich eigentlich?!

Hör uff zu jammern, Alte. DIE paar Nebenwirkungen der Wechseljahre… WAS hamwir nich alles schon geschafft… DAS WÄR DOCH GELACHT, sich von sowas unterkriegen zu lassen. Punkt

These No. 2 – AUSHALTEN! …

Da wir Frauen – ich wage mal die Prognose von 80% – es gewohnt sind auszuhalten, kommt es uns in den WJ ebenso „zugute“ dies weiterhin zu tun. Weil wir uns nie oder zu wenig gewehrt haben, macht unser Körper mit uns was er will.

Beispiel: Viele Frauen werden oder wurden geschlagen, vergewaltigt, missbraucht, verdienen weniger bei gleicher Arbeit, Putzenwaschensaugenstaubenerziehenkochenkaufenein, neben Job oder auch ohne Job, ohne einen Cent dafür zu bekommen, und halten diese Situationen immer wieder und seit Jahrhunderten aus, weil … ja… weil… WARUM?!

  • Weil es immer so war?
  • Weil Wehren oft nur verschlimmert und doch nix ändert?
  • Weil wir gegen die männergemachten Gesetze machtlos sind?
  • Weil wir Frauen halt so sind?
  • Weil Aushalten uns mit in die Gene gegeben wurde?
  • Weil wir einfach zufrieden sind? (ich lach mich tot)

Und weil wir das so gewohnt sind und schon immer so tun (müssen) kommt es in den WJ quasi als Bestrafung für unsere vorheriges Dasein (*haha*) genauso über uns wie es eben immer schon war.

KANN EINE BITTE WAS DAGEGEN HALTEN? Eine Frau zum Beispiel die in den WJ ist und totaaale Probleme hat mit Hitzewallung, (Schweiss)Ausbrüchen, Depressionen, Verdauungs-Problemen und was alles dazu gehört – aber ihr Leben lang nie aushalten musste, sondern sich wehrte und aus sich raus ging? Damit diese meine These bitte widerlegt werden kann.

Danke.

WhatsApp-Geflüster von Gleichgeschädigten

„Ach, das kenne ich! Es gab Zeiten, da bin ich nur mit Handtuch an die Arbeit.

Erst blutet man jahrelang vor sich hin und dann, wenn es endlich aufhört, bricht einem der Schweiß aus…. Und so oft in Situationen, wo man es gar nicht gebrauchen kann.

Und wenn das rum ist, wird man fett und hässlich.“ 

Leut! Wenn ich über sowas wie den letzten Satz nicht mehr lachen kann bin ich entweder hübsch und alt oder in der Klapse.