Nicht nur zur Weihnachts-Zeit….

Es rennt. Alles. Stress.

Hektik.

Krankheit.

Tod.

Arbeit. Arbeit. Arbeit.

Jede/r klagt, beschwert sich.. keine Zeit… wird alles zuviel… fühl mich scheiße… bin krank… den und den hats erschwischt… der ist im Krankenhaus… die wird operiert… dort wieder ein Unglück… und da Elend und Not… da wird wieder geballert und da explodiert und geflüchtet… und dann noch WEIHnachten… oh man… ich hab noch nicht mal geschmückt… ich habe schon ALLE Geschenke besorgt… dem müsst ich ja auch was… und die? Die schenkt mir bestimmt was… dann müsste ich auch… aber die Arbeit, die Wohnung… alles nur noch Stress und Hektik und Gerenne und die Zeit… weg isse. 

So bekomme ich es momentan von überall her mit. Ich hab en Gipsfuß, von daher Zwangspause. Gezwungen nix zu tun. Zusehen wie die Wohnung verstaubt. Na und? Schlechtes Gewissen weil der Hund zugenommen hat seit ich nicht mehr Gassi gehen kann. Kommt wieder. Und von überall her schallts: Keine Zeit. Ich kann nicht mehr. Hört das mal auf mit dem Stress? Kommt sonst noch irgendwas? 

Manchmal hab ich das Gefühl wir laufen alle unaufhörlich auf den großen Knall zu. Und ich meine nicht den Jahres-Wechsel. So wie man manchmal von außen zusehen kann oder muss, wie jemand in sein Unglück rennt, man aber nichts dagegen tun kann.

Und manchmal – wenn ich dazu gehöre zu dem stressigen Volk – wünsche ich mir ausgewandert zu sein. Häuschen. Erde bestellen. Hühner füttern. Schafe raus lassen. Kuh melken. Ofen anmachen. Füße hoch legen und dem ganzen Treiben NICHT zuschauen. Einfach nichts mitkriegen.

Ich wünsche Euch RUHIGE Tage. Zeit NICHTS zu tun. Und, dass der große Knall ausbleibt und wir alle runter kommen und Zeit haben, uns auf das wirklich Wichtige im Leben zu beschränken und damit zufrieden zu sein.

UND GELD! GELD FÜR ALLE! Und davon genug hätte ich gerne, damit ich dieser stressigen Gesellschaft mit dem Fremd-Bestimmten-Arbeiten und dem wahnsinnigen Konsum-Terror entfliehen könnte.

2017-10-12 10.15.25

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Sehr geehrte Samen und Spermien,

 

seit ich denken kann ist unsere Familie bei der Dingsbank. Das heißt, seit über 50 Jahren. Das Familien-Konto bei der Dingsbank in meiner Heimat. Das nächste eigene Konto für meinen ersten Lohn bei der Dingsbank in Dingsbumsstadt. Und immer bei der Dingsbank geblieben.

2011 ging ich zur Dingsbank hier, Irgendwoplatz, um mein Konto um € 100,-  überziehen zu dürfen. Dass man fragen muss, dass man dürfen muss – wo man doch immer alles Geld zur Bank schleppt und hin überweisen lässt, mit dem dann die Bank wieder arbeitet… alleine das ist ein seltsamer Gedanke. Damals war ich in einer Lebens-Situation die wirklich sehr schwer war: Mein Mann und ich hatten beide unseren Job gekündigt und wollten uns in unserem jeweils eigenen Beruf selbständig machen. Dann starb mein Mann. Wie das so ist im Leben: Nicht eingeplant, völlig aus dem Nichts heraus alles auf Null. Nichts war mehr möglich…in einer neuen, inzwischen für mich viel zu großen und teuren Wohnung, umringt von nicht ausgepackten Umzugs-Kisten, ohne Telefon- und Internet-Anschluss. Kein Gedanke  mehr möglich an Selbständigkeit, Arbeiten, Denken, Fühlen, Überlegen, Handeln… ich saß alleine in einer neuen, noch fremden Wohnung, in einer fremden Stadt, ohne meinen Lebens-Partner, ohne Liebe, ohne Hoffnung, ohne ein Zuhause-Gefühl, ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Zukunft, ohne Perspektive.

Ich schleppte mich zu „meiner“ Bank, um € 100,- überziehen zu dürfen, um was zu Essen zu kaufen, das Nötigste. Nein. Insolvenz stand bevor. Keine Einnahmen – keine Chance.

Seitdem bin ich am Kämpfen. Gegen Behörden, Gläubiger, Insolvenz, Insolvenz-Verwalter, Hunger, Geldnot, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Aufgeben. Ich habe von Null wieder neu angefangen. Ich habe wieder eine feste Arbeit. Ich habe wieder eine Wohnung. Ich habe, ohne in Insolvenz zu gehen, meine Gläubiger „befriedigt“, ich habe wieder Boden unter den Füßen, ich habe vor kurzem eine Stunden-Erhöhung in meinem Job bekommen und somit auch mehr Gehalt. Ich habe alles getan, um in dieser Gesellschaft wieder aufrecht gehen zu können, dazu zu gehören, nicht unterzugehen, keine Arbeitslosenhilfe und auch keine Sozialhilfe zu beziehen. Und war oft kurz davor alles hinzuschmeißen. 5 Jahre lang. Und es geht weiter.

2016: Ich gehe zur Dingsbank, Irgendwoplatz, frage um eine Möglichkeit mein Konto um € 100,- überziehen zu dürfen. Das berühmte Sommerloch hat auch mich getroffen was meine Freiberuflichkeit betrifft – allen Verdienst der letzten Jahre habe ich für meine Gläubiger verdient. Den letzten großen Gläubiger habe ich weg, jetzt brauche ich einfach nur € 100 Euro, um zu überbrücken. Nein. Wie vor 5 Jahren.

Die Welt hat sich verändert. Ich habe so viel getan. Ich habe mich verändert. Meine Situation hat sich verändert. Die Finanzregeln unserer Gesellschaft bleiben gleich: Ich habe noch einen Gläubiger (monatlich € 15,- bis in alle Ewigkeit) und ich stehe halt nun mal bei der Schufa auf der Liste. Da gibt es keine Möglichkeit für die Dingsbank. Da sperrt sich das Computer-System automatisch. Ist das so? Oder hätten Sie die Möglichkeit zu sagen: Das ist eine Kundin die schon immer bei der Dingsbank war, sie arbeitet, verdient wieder Geld, bemüht sich, hat eine Lohn-Erhöhung erhalten, hat eine feste Arbeit, geht noch nebenher freiberuflich arbeiten, was auch immer wieder Geld aufs Konto bringt – da durchbrechen wir mal alle Regeln, da versuchen wir mal was Neues… Nein?

Dann will ich kein Konto mehr bei der Dingsbank haben und auch bei keiner anderen Bank – wird überall gleich sein.

Dann will ich mein Gehalt wieder in einer echten Lohntüte abholen können.

Dann will ich nicht mehr zu unserer Gesellschaft gehören.

Dann will ich die Schufa abschaffen.

Naiv? Vielleicht, aber mal ehrlich: Wie soll man es schaffen in einer Gesellschaft wie der unsrigen wieder Fuß zu fassen, wenn man kämpft und kämpft, um wieder ein „vollwertiges Mitglied“ zu sein, nur um dann doch immer wieder gezeigt zu bekommen: Du nicht. Pech gehabt. Oder ist so eine einzelne, „kleine“, gering verdienende Person nicht wichtig fürs Banken-System? Wahrscheinlich…

Sind Ihnen wirklich die Hände gebunden gegenüber der Schufa? Oder können Sie unabhängige Entscheidungen treffen? Kann doch nicht sein, dass die Schufa „über allem steht“. Was muss mensch denn noch tun, um dazu zu gehören, nicht unterzugehen, weiter zu kommen?!

Herzlichen Dank für das Lesen meines Briefes. Wenn ich soweit bin, dass ich nicht mehr bei der Schufa verzeichnet bin, nicht mehr „schuldig“ bin – dann brauch ich keine Überziehungs-Möglichkeit mehr. Ich hätte es jetzt gebraucht.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau von und zu Taste

Anm. der Verfasserin: Einige Worte wurden verulknudelt, um … ja, warum eigentlich?
Nach Einstellen dieses Eintrages wird der Brief an die Dingsdabank in den Briefkasten geworfen.